2016 10 Artikel: BOWRIDER DRACO 27: Mein Spaß, mein Norden, mein Boot

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BOWRIDER DRACO 27:

Mein Spaß, mein Norden, mein Boot

VON DIETER WANKE-AKTUALISIERT AM 21.10.2016-07:46

Die Draco bietet Platz für den Kegelclub und in dringenden Fällen sogar eine kleine Nasszelle Bildbeschreibung einblenden

Mit der 27 RS gelingt der traditionsreichen norwegischen Marke DRACO die Wiederauferstehung. Es ist ein piekfein gefertigtes Boot mit exzellenten Fahreigenschaften.

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Legendäre Bootsmarken verschwinden selten ganz von der Bildfläche. So ist das auch mit den Booten der norwegischen Draco-Werft, die ihre beste Zeit in den siebziger Jahren hatte. Der Bootsbauer Kåre Drangsholt hatte das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau zu einem der erfolgreichsten Werftbetriebe Europas gemacht. Nach dem frühen Tod des Firmengründers 1983 folgte 1992 die Insolvenz. Konkurrent Windy sprang als Käufer ein, stoppte die Produktion aber nach kurzer Zeit. 2014 begann der damalige Käufer, der heute der norwegischen Holding Periscopus AS gehört, die Traditionsmarke mit der Draco 27 RS wiederzubeleben.

Inzwischen kam mit der 22 RS noch eine kleine Schwester dazu. Gebaut werden die neuen Draco-Boote allerdings weder im schwedischen Västervik, wo die Windy-Werft einen Entwicklungs- und Produktionsstandort unterhält, noch vom Tochterunternehmen Windy Boats AS in Nedenes, Norwegen, sondern im polnischen Ostroda. Das ist nicht ungewöhnlich, denn die Bootsbauer in Polen haben sich in den zurückliegenden Jahren enorm entwickelt und fertigen heute neben vielen beachtenswerten Eigenmarken qualitativ hochwertige Boote für viele Werften.

Gebaut werden die neuen Draco-Boote im polnischen Ostroda :Bild: Wanke

Die Draco 27 ist als Bowrider konzipiert, also mit offenem Bug, wo zusätzliche Sitzgelegenheiten geboten werden. Der Vorteil: Es können neun Mitfahrer an Bord sein - perfekt für Eigner, die den Spaß auf dem Wasser mit ihrer Familie und Freunden teilen wollen. Der Nachteil: Eine Kabine oder Wetterschutz gibt es nicht. Durch seine Einstufung in der CE-Kategorie C für die Fahrt in küstennahen Gewässern eignet sich das Boot für fast jedes Revier. Da sich das Leergewicht des Boots mitsamt Antrieb bei rund 2,2 Tonnen einpendelt und sich die Abmessungen des 8,31 Meter langen Flitzers im gesetzlichen Rahmen für den Straßentransport bewegen, lässt es sich mit entsprechenden Zugfahrzeugen zu jedem beliebigen Einsatzort transportieren.

Am bequemsten kommt die Crew über die Badeplattform an Bord, denn hier behindert keine Bordwand den Einstieg. Abgesichert wird nach hinten lediglich durch zwei Edelstahltüren, die zum bequemen Erreichen des Wassers für ein erfrischendes Bad seitlich weggeklappt werden können. Die serienmäßige Badeleiter erleichtert den Ein- und Ausstieg. Dank hoher Bordwände ist die Besatzung im Cockpit stets sicher unterwegs. Hier ist eine doppelseitige Sitzbank montiert, wo die Passagiere entweder nach vorne oder nach hinten blicken können. Das Polstermöbel lässt sich in eine Sonnenliege verwandeln. Davor folgen die Sitze für Fahrer und Beifahrer, beide voll verstellbar. Durch einen Tisch ergänzt, lässt sich das Mobiliar auch in eine Sitzgruppe verwandeln.

Die Abmessungen des 8,31 Meter langen Flitzers bewegen sich im gesetzlichen Rahmen für den Straßentransport :Bild: Wanke

Die Windschutzscheibe hat in der Mitte ein Segment, das sich öffnen lässt und dann den Durchgang zur U-förmigen Sitzgruppe im Bug freigibt, die bei Bedarf gegen Zuzahlung von 430 Euro für ein Füllpolster auch in eine Sonnenliege verwandelbar ist. Unter der Konsole an Steuerbord befindet sich ein kleiner Stauraum. An Backbord gibt eine große Tür den Weg in die Nasszelle frei. Die Toilette in Form eines Porta Potti, eine Dusche, ein Waschbecken und der dazugehörige 42-Liter-Frischwassertank sind Bestandteil des 3100 Euro kostenden Komfortpakets.


Angetrieben wird die Draco 27 RS ausschließlich durch Außenborder mit einem Leistungsspektrum zwischen 200 PS (147 kW) und 300 PS (221 kW). Am Testboot war ein Mercury F300 Verado montiert, wobei auch ein F200 oder F250 lieferbar sind. Außenborder von Yamaha stehen mit gleicher Leistungspalette in der Preisliste, außerdem ist ein Suzuki DF 300 zu bekommen. Beim Beschleunigen zeigt sich nicht nur, dass der Antrieb ordentlich dimensioniert ist, sondern auch, dass der Rumpf exzellente Fahreigenschaften hat. Die relativ steile Aufkimmung des Unterwasserschiffs sorgt für ein weiches Eintauchen des Rumpfs in Wellen. Beim Beschleunigen geht die Nase nur geringfügig nach oben, um dann nach nur vier Sekunden mit dem Übergang in die Gleitfahrt wieder auf Normalposition zu sinken. Das geschieht kaum wahrnehmbar in einem Bereich zwischen 3000 und 3500 Umdrehungen, irgendwo bei 14,6 bis 20,1 Knoten. Nach insgesamt 19 Sekunden ist die Höchstgeschwindigkeit von 35,2 Knoten (65 km/h) erreicht.

Bild: F.A.Z.

Bei Langsamfahrt ist nur ein geringfügiges Gieren um die Längsachse spürbar. Im Hafen lässt sich bei gut einer Bootslänge Wendekreis vorwärts oder rückwärts bestens manövrieren. Das optionale Bugstrahlruder kann dabei noch unterstützen. In hoher Geschwindigkeit von knapp 30 Knoten lassen sich Vollkreise mit zwei Bootslängen bei sicherer Wasserlage realisieren. 230 Liter fasst der Kraftstofftank. Bei zügiger Marschfahrt von 20 Knoten (3500 Umdrehungen) genehmigt sich der F300 Verado innerhalb von gut fünf Stunden oder 100 Seemeilen 200 Liter davon. Wer die Schlagzahl auf 4500 Umdrehungen mit rund 29 Knoten erhöht, ist nur drei Stunden unterwegs und muss nach knapp 90 Seemeilen eine Tankstelle aufsuchen. Die Reichweite ist also etwas knapp bemessen.


Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität gibt es dagegen nichts zu kritisieren. Zwar ist die Draco 27 RS mit dem montierten Antrieb für 102 900 Euro kein Schnäppchen, dafür bekommt der Eigner aber ein piekfein gefertigtes Boot mit exzellenten Fahreigenschaften. Stabile Haltegriffe, eine solide Bugreling und üppig dimensionierte Klampen unterstreichen den Anspruch der Werft, ihren Kunden Qualität bieten zu wollen. Für welche Motorenmarke man sich entscheidet, ist Geschmacksache, denn die Preisunterschiede sind gering. Die günstigste Kombination ist jene mit dem Mercury F200 Verado für 94 900 Euro. Keine schlechte Wahl, wenn nicht Höchstleistungen auf der Wunschliste stehen.